Plastikmüll vermeiden - FAQs

Plastikmüll – Die wichtigsten Fakten kurz erklärt

Gemeinsam plastikfrei für eine saubere Umwelt

Du möchtest die Umwelt schützen und die Plastikflut stoppen? Das ist super! Dein Engagement ist auch wichtiger denn je, denn in Deutschland verursacht jeder Bürger alleine schon für Verpackungen etwa 38 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr. Wer also auf Plastikverpackungen verzichtet, leistet bereits einen entscheidenden Beitrag zum Umweltschutz. Doch weißt Du eigentlich, woraus Kunststoff genau besteht? Und was macht Plastik so umweltschädlich? Wir haben Antworten auf ein paar der wichtigsten Fragen:

größten Müllproduzenten weltweit
Quelle: Plastikatlas 2019 (Heinrich-Böll-Stiftung und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND)

1. Woraus besteht Plastik eigentlich?

Kunststoff ist leicht, stabil und kann jede denkbare Form annehmen. Halbsynthetische Kunststoffe werden durch Modifikation natürlicher Polymere (z. B. Zellulose zu Zelluloid) hergestellt. Synthetische Kunststoffe werden durch Polymerisation aus Monomeren erzeugt. Das geht so:

Als Rohstoff für synthetisch erzeugtes Plastik dient meist Erdöl. Durch Destillation trennt sich das Erdöl in die einzelnen Bestandteile, wodurch Rohbenzin (Naphtha), aber auch Gas, Diesel, Heizöle und Gasöl entstehen. Das sogenannte Cracking-Verfahren spaltet Rohbenzin dann auf in Ethylen, Propylen, Butylen und andere Kohlenwasserstoff-Verbindungen. Durch Synthese werden die kleinen Bausteine (Monomere) zu Polymeren, also großen netz- und kettenförmigen Molekülen zusammengesetzt. Verschiedene Zusatzstoffe (Weichmacher, Stabilisatoren, Flammschutzmittel, Färbemittel oder Füllstoffe) bilden schließlich die Eigenschaften des jeweiligen Materials (Polymere + Additive = Kunststoff). Am häufigsten verwendet wird übrigens der Kunststoff Polyethylen, etwa zur Herstellung von Müllsäcken oder Verpackungsfolie.

Plastik-Müll an unseren Stränden und Meeren
Quelle: Plastikatlas 2019 (Heinrich-Böll-Stiftung und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND)

2. Wann verrottet Plastikmüll?

Den Abbauprozess organischer Abfälle durch die Zersetzung von Bakterien und anderen Mikroorganismen nennt man Verrottung. Bei anderen Materialien (etwa Metall), die einem allmählichen Zerfall durch die Witterung ausgesetzt sind, spricht man von Korrosion. Plastik von Verpackungen und Einwegartikeln hingegen zerfällt lediglich zu Mikroplastik und hinterlässt so seine Rückstände in der Natur. Mittlerweile finden sich die Kunststoffteilchen überall in Gewässern, Böden und den Mägen der Tiere.

Müll, der einmal in der Natur landet, bleibt dort sehr lange liegen. Zigarettenfilter etwa bestehen zwar aus Zellulose, sind jedoch durch die Anreicherung mit Chemikalien extrem robust und benötigen etwa 10 bis 15 Jahre, um zu verrotten. Plastiktüten (2,4 Milliarden Kunststofftüten in Deutschland 2017) brauchen bis zu 500 Jahre, um sich zu zersetzen. Ein Getränkekarton überdauert etwa 100 Jahre. Plastikflaschen zerfallen sogar erst nach 450 bis 5.000 Jahren. Bei Styropor gilt eine Zersetzungsdauer von 6.000 Jahren, die sogar unmessbar wird, wenn das Material nicht der Witterung ausgesetzt ist.

Obwohl es aus natürlichen Holzfasern besteht, ist bei Papier der Zersetzungsprozess durch Druckerschwärze und Zusatzstoffe erschwert. Papiertüten benötigen etwa 6 Wochen, Zeitungspapier 1 bis 3 Jahre und Papiertaschentücher zwischen 3 Wochen und 5 Jahre, um zu zerfallen. Als natürlich vorkommender Rohstoff korrodiert Metall. Aluminium benötigt für diesen Prozess zwischen 10 und 100 Jahre, Alufolie etwa 200 bis 400 Jahre und Blech sogar bis zu 500 Jahre. Glas besteht aus Quarzsand, ist damit kein organischer Stoff und verrottet auch nicht. Es braucht etwa 4.000 bis eine Million Jahre, um zu zerfallen. Als wiederverwertbarer Rohstoff sollte Glas deswegen unbedingt im Altglascontainer landen.

3. Was ist Bioplastik?

Bioplastik -was ist das?

Bioplastik ist eigentlich gar nicht so nachhaltig, fördert durch das vermeintlich gute Gewissen jedoch den übermäßigen Verbrauch. Es besteht zwar aus nachwachsenden Rohstoffen, benötigt zur Erzeugung jedoch Böden, Dünger und meist auch Pestizide. Aufwändige Herstellungsprozesse haben eine bedenkliche Ökobilanz und auch das Recycling gestaltet sich äußerst schwierig. Wirfst Du Bioplastiktüten in die Biotonne, brauchen sie zu lange, um zu verrotten, und werden aussortiert. Obwohl die Plastikalternative biologisch abbaubar ist, landet sie also meist trotzdem im Restmüll. Einen echten Vorteil bietet Bioplastik folglich nur für die Produktion wertiger und langlebiger Produkte.

Die Definition des Biokunststoffs ist auch nicht einheitlich geregelt und bezieht sich entweder auf die Produktion aus nachwachsenden Rohstoffen, auf deren mögliche biologische Abbaubarkeit oder auf beides. Der Kunststoff kann demnach zwar organisch hergestellt, aber nicht biologisch abbaubar sein. Auf der anderen Seite können die Materialien zwar biologisch abbaubar sein, aber aus Erdöl bestehen. Um sich zu zersetzen benötigt ein Großteil der Biokunststoffe zudem sehr spezifische Voraussetzungen, die in der Umwelt so gar nicht gegeben sind. Der beste Plastikmüll ist also nach wie vor der, der gar nicht erst entsteht.

Quelle: Plastikatlas 2019 (Heinrich-Böll-Stiftung und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND)

4. Und was ist recyceltes Plastik?

„Verpackung zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik!“ Sicherlich sind Dir solche Aufdrucke auf Plastikflaschen auch schon aufgefallen, die mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit werben. Zur Wiederverwertung eignen sich vor allem PET-Flaschen, die zu 95 Prozent zu PET-Granulat (Rezyklat) verarbeitet werden können. Daraus lassen sich dann wiederum Kunststoffasern (etwa für Regenjacken) oder Füllstoffe herstellen. Allerdings stellt die Wiederverwertung so noch keinen echten Kreislauf dar, weil das Material meist nur ein weiteres Mal genutzt wird.  Und die Herkunft des PET ist für Dich als Verbraucher nicht transparent. Du kannst also nicht überprüfen, wie viel Plastik wiederverwertet wurde, ob die Verpackungen tatsächlich aus recyceltem PET hergestellt sind und woher dieses stammt.

5. Ist Papier immer die bessere Alternative?

Jein! Natürlich ist es besser, wenn Du Papier anstatt Plastik verwendest. Wirklich umweltfreundlich handelst Du aber nur, wenn für die Ersatzprodukte die Natur nicht an anderer Stelle Schaden nimmt. Hast Du beispielsweise gewusst, dass täglich über 15 Milliarden Bäume gefällt werden? Greife daher also am besten immer auf recyceltes Papier zurück. Auch die Verpackung macht einen wesentlichen Unterschied. Denk nur an die handelsüblichen Küchenrollen. Selbst wenn Du Dich für ein Produkt aus recyceltem Papier entscheidest, besteht die Verpackungsfolie meist aus Polyethylen. Das macht wenig Sinn.

Also ist es super, umweltfreundliche Produkte zu wählen, die auch noch plastikfrei verpackt sind. Noch besser wäre es aber, wenn diese Produkte dann auch noch wiederverwertbar wären! Und bei Küchenrollen geht das sogar schon sehr gut! Es gibt mittlerweile nämlich wiederverwendbare Küchenrollen aus Bambus, die Du ganz bequem bei 40 Grad in der Waschmaschine wäschst. Im Vergleich zu Papier sind die Bambusfasern besonders saugstark und eignen sich ideal zur sanften Reinigung sämtlicher Oberflächen. Dabei ist eine Küchenrolle aus Bambus so ergiebig wie 60 herkömmliche Papierrollen aus Holz! Das spart Geld und rettet Bäume. Bambus ist ein schnellwachsender Rohstoff, dessen Fasern extrem langlebig, widerstandfähig und elastisch sind. Alles in allem also ein wirklich nachhaltiger Haushaltshelfer für die plastikfreie Küche. 

Umweltverschmutzung in den Meeren
Quelle: Plastikatlas 2019 (Heinrich-Böll-Stiftung und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND)

6. Wie schadet Plastik unserer Umwelt?

Müllreste sind schädliche Fremdkörper in unserem Ökosystem. Hast Du gewusst, dass in einem Zigarettenfilter etwa 4.000 Chemikalien stecken, die ausreichen, um in einem Liter Wasser die Hälfte der darin lebenden Tiere zu töten? Auch Mikroplastik verschmutzt die Wälder und Binnengewässer. Je nach Umgebung liegen die Werte sogar um ein Vielfaches höher als im Meer. Die beim Zersetzungsprozess herausgelösten Chemikalien verseuchen den Boden und gelangen so in unser Grundwasser. Tiere können sich in größeren Plastikteilen verfangen oder verenden durch das Verschlucken kleinerer Teile meist qualvoll.

Wird Plastikmüll denn recycelt? Kaum! Laut Plastikatlas 2019 der Heinrich-Böll-Stiftung wurden 2017 in Deutschland 67 Prozent der anfallenden 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte verbrannt und nur 15,6 Prozent davon aufbereitet. Als einer der weltweiten Spitzenexporteure verschifft Deutschland 14 Prozent des Mülls beispielsweise nach Asien in zertifizierte Anlagen und lässt diese Mengen dann positiv in der deutschen Recyclingquote auftauchen. In vielen Ländern liegen aber minderwertige Nachweis- und Kontrollsysteme sowie eine mangelhafte Recyclinginfrastruktur vor, weshalb der größte Teil unter katastrophalen Umweltstandards verbrannt, deponiert oder ins Meer geleitet wird. Dies führt zu einer gravierenden Verschmutzung von Luft, Böden und Gewässern und beeinträchtigt vor allem die Bevölkerung vor Ort.

Plastik im Körper des Menschen
Quelle: Plastikatlas 2019 (Heinrich-Böll-Stiftung und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND)

7. Ist Plastik giftig für mich?

Ja! Von der Produktion über die Nutzung bis hin zur Entsorgung stellt Plastik ein gesundheitliches Risiko für Dich dar. Weichmacher in Folien, Imprägnierungen von Outdoor Jacken, Flammschutzmittel in Elektrogeräten und Möbeln – Plastikprodukte enthalten durchschnittlich 7 Prozent chemischer Zusatzstoffe. Diese Schadstoffe sind nicht fest gebunden, entweichen mit der Zeit und gelangen direkt in unseren Körper. Sie schädigen das Immun- und Reproduktionssystem, sämtliche Organe und verursachen Allergien und mitunter sogar Krebs.

 

Als Verbraucher kannst Du die enthaltenen Schadstoffe kaum erkennen. Im Gegensatz zu Kosmetikprodukten müssen nämlich Spielzeuge, Möbel und Textilien die Schadstoffmengen nicht ausweisen. Wird dieses Plastik dann recycelt, finden sich die Schadstoffe auch wieder in den neuen Produkten. Dadurch, dass hierzulande mehr als die Hälfte der Plastikprodukte verbrannt wird, gelangen zudem zahlreiche Giftstoffe in unsere Umwelt, unsere Atemluft und damit irgendwann auch in unseren Körper.

Quelle: Plastikatlas 2019 (Heinrich-Böll-Stiftung und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND)

8. Unternimmt der Gesetzgeber etwas gegen die Plastik-Flut?

Ja, zum Glück! Die Produktion vieler Einwegplastikartikel ist mittlerweile in der EU verboten. Wie Du sicherlich schon gelesen hast, trat erst kürzlich, am 03. Juli 2021, das neue Gesetz in Kraft, das allen Mitgliedsstaaten die Herstellung vieler Einwegprodukte aus Plastik untersagt, für die es bereits sinnvolle Alternativen auf dem Markt gibt. Gemeint sind beispielsweise Rührstäbchen, Wattestäbchen, Teller, Besteck sowie Becher aus Plastik und Styropor. Papier, Pappe, Bambus oder auch essbare Materialien bieten hier sinnvolle Alternativen. Andere umweltschädliche Produkte, wie etwa Feuchttücher, müssen mit einer deutlichen Kennzeichnung versehen werden. So soll die Plastikverschwendung eingedämmt und der Wegwerfmentalität entgegengewirkt werden – für einen verantwortungsvollen Umgang mit begrenzt vorhandenen Ressourcen.

Du möchtest auch mehr Plastik im Alltag einsparen? Dann schau doch mal in unserem Onlineshop vorbei. Hier findest Du neben der wiederverwendbaren Küchenrolle aus Bambus noch viele weitere Alternativprodukte, wie etwa Wattestäbchen aus Bambus, Bienenwachstücher und Bambus-Besteck für unterwegs. Und eine 100% plastikfreie Verpackung ist bei uns auch selbstverständlich!

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